Frischer Wind
Gottesdienst am Pfingstsonntag, 23. Mai 2010
Thema: Frischer Wind
Text: Apostelgeschichte 2,1-18
Predigt: Pastor Gero Cochlovius
Einspielung von Wind of Change (Scorpions)
Liebe Gemeinde,
Wind of Change, Wind der Veränderung so heißt das Lied. Die hannoversche Gruppe Scorpions hat es 1990 gesungen, in einer Zeit unglaublicher und unvorhersehbarer politischer Umwälzungen und Veränderungen. In der Sowjetunion hatte Gorbatschow den Wind von Perestroika und Glasnost, von Veränderung und Offenheit wehen lassen, der schließlich auch das geteilte Deutschland erfasst hat, und neben manch anderem ein wichtiger Faktor beim Fall der Mauer war. Frischer Wind kam auf, ein Wind der Veränderung, des Wandels, wind of change. Klaus Meine, der das Lied geschrieben hat, benutzt das Bild des Windes. Wind – der eine unglaubliche Kraft und Energie hat. Wind, der etwas bewegt.
In der Pfingstgeschichte ist auch vom Wind die Rede. Ein frischer Wind weht, als die Jünger beisammen sitzen. „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.“ Der Wind ist ein Bild für den Heiligen Geist. Was hat es damit auf sich?
Ja, es lohnt sich, dem Wirken des Heiligen Geistes nachzuspüren. Wo der Geist Gottes wirkt, weht ein frischer Wind. Im Alten Testament heißt der Geist Gottes auf Hebräisch „Ruach“ und das ist dasselbe Wort wie für „Wind“. Und nicht anders im Neuen Testament. Da heißt der Geist Gottes auf Griechisch „Pneuma“ - und das heißt auch wiederum „Wind“. Warum? Es gibt so viele Parallelen: So wie der Wind nicht zu greifen ist, unsichtbar, nicht einzufangen ist – so ist der Geist Gottes: Unsichtbar, nicht zu greifen. Der Wind kann unglaublich stark und kraftvoll sein – und dann auch wieder sanft und zärtlich und warm. Wie Gottes Geist. Was für einen frischen Wind bringt der Geist Gottes? Was war das für ein Wind, der seit Pfingsten durch die Gemeinde Jesu weht?
1) Ein frischer Wind, der Veränderung schafft
Was schafft wirklich bleibende Veränderung? Was ist geblieben von dem Aufbruch, von dem Wandel vor 20 Jahren? Sicher: Das Wunder der Wiedervereinigung unseres Landes ist gekommen. Doch auch nach Ende des Kalten Krieges ist die Welt keineswegs friedlicher geworden. Schauen wir noch einmal in jenes berühmte Lied „Wind of Change“. Es heißt darin:
Die Welt kommt sich näher.
Hast du je gedacht,
dass wir uns so nah wie Brüder sein können?
Die Zukunft liegt in der Luft,
ich kann sie überall spüren,
wie sie mit dem Wind der Veränderung zusammen weht.
In der großen Politik ist von diesem Wind nichts mehr zu spüren. Doch schauen wir in die Pfingstgeschichte. Ich denke, dieses Lied hätte vielleicht noch besser zu Pfingsten geschrieben werden können. Denn dieser Wind des Heiligen Geistes weht nun schon seit 2000 Jahren, und er wird nicht müde, ihm geht die Puste nicht aus, und er schafft immer noch Veränderung, wie er damals Menschen verändert hat.
Was für Veränderungen sind denn geschehen? Blicken wir zunächst auf die Jünger. Sie waren eigentlich ein ziemlich trauriges Häuflein! Erinnern wir uns, wie sie in der schlimmsten Not und Anfechtung Jesu im Garten Gethsemane, statt ihrem Freund und Herrn beizustehen, nur einpennen können? Dreimal schlafen sie ein. Erinnern wir uns, wie sie alle davonlaufen wie die Hasen, als es brenzlig wird und Jesus gefangen genommen wird? Und nur Petrus folgt mit etwas Sicherheitsabstand um Jesus gleich dreimal hintereinander zu verleugnen? Und auch nach Ostern ein ziemlich hilfloses, orientierungsloses Häuflein. Merkwürdig: Obwohl sie dieses unglaubliche Wunder der Auferstehung Jesu erlebt haben, blieben sie zunächst in einem Geheimversteck in Jerusalem und schlossen sich ein – aus Furcht! – wie es in Joh. 20 heißt. Dann flüchten sie aus Jerusalem und ziehen ein wenig planlos und hilflos nach Galiläa. Das hatte Jesus ihnen zwar gesagt. Doch wissen sie hier auch nicht so recht, was sie machen sollen, und fangen an, wieder im Trüben zu fischen und auf dem See Genezareth angeln zu gehen. Dann geht es wieder zurück nach Jerusalem, wo sie die Himmelfahrt Jesu, seine Aufnahme in Gottes unsichtbare Welt, erleben. Nun sind sie wieder in einem Raum versammelt. Nicht nur die Zwölf, sondern es hatten sich auch noch andere Freunde Jesus dazugesellt. Einhundertzwanzig waren es. Aber wahrlich keine Helden. Das ist so tröstlich! Gott braucht keine Helden! Die Jünger waren nicht stärker und frömmer und treue als wir. Und doch gebraucht sie Gott, aber indem er sie durch seinen Geist verändert. Indem der Geist Gottes in ihr Leben hineinweht und frischen Wind bringt, werden sie mutig. Und auf einmal trauen sie sich, öffentlich in Jerusalem zu predigen, Christus zu bezeugen. Sie legen alle Menschenfurcht ab. Ich denke an einen jungen Mann in Krelingen, der wirklich sehr angstbesetzt war. Als er mit einer psychischen Erkrankung nach Krelingen kam, lief er immer gebückt und hat aus lauter Furcht mit keinem Menschen ein Wort gesprochen. Das ging so monatelang. Man konnte grüßen, freundlich „Hallo“ sagen. Nix. Keine Reaktion. Doch dann hat er zu Jesus gefunden und dadurch wurde ihm der Heilige Geist geschenkt, ein frischer Wind der Veränderung machte sich auch bei ihm bemerkbar. Und was für ein großer Augenblick war es für ihn und alle, die ihn kannten, als er dann auf einmal im Gottesdienst vor ein paar hundert Leuten ans Pult ging und das Evangelium lesen konnte. Gottes Geist kann auch in deinem Leben Veränderung schaffen, da wo du schon aufgegeben hast.
2) Ein frischer Wind, der Verständigung bringt
Der frische Wind von Pfingsten brachte nicht nur Veränderung, sondern auch eine völlig überraschende Völkerverständigung. Eine Verständigung, die allerdings nicht durch politische Reformen und Programme erzielt wurde, sondern tief im Herzen angesetzt hat. Wie viele Menschen aus wie viel verschiedenen Nationen konnten sich auf einmal verstehen. Blick zurück: Turmbau zu Babel. Kennen Sie die Geschichte? In grenzenloser menschlicher Hybris, in sinnlosem Größenwahn machen sich sie Menschen daran, einen Turm zu bauen, „dessen Spitze bis an den Himmel reiche“, so sagt es 1. Mose 11, „damit wir uns einen Namen machen.“ Die Folge: Ein grandioses Scheitern des Unternehmens: In ihrem gnadenlosen Ehrgeiz, in ihrem rücksichtslosen Willen zu Macht und Ruhm, verlernen die Menschen aufeinander zu hören. Es kommt zur babylonischen Sprachverwirrung. Keiner versteht den andern mehr. Man entfernt sich von einander, zieht weg und verlernt die Sprache des andern. Zerstreute Nationen und Sprachräume entstehen. Und nun, an Pfingsten, weht der frische Wind des Geistes, der gerade da ansetzt! Aus der babylonischen Sprachverwirrung wird pfingstliche Völkerverständigung. Wie viele Menschen mit wie viel Sprachen konnten an Pfingsten auf einmal die Predigt der Jünger verstehen: Parther, Meder, Elamiter, Pamphylien und Phrygien… Dieses Wunder damals am historischen 1. Pfingsttag in Jerusalem war sicher etwas Einmaliges. Aber halten wir uns nicht auf bei der Frage, wie und auf welche Weise das damals geschehen konnte, sondern erkennen wir die Botschaft darin, für uns heute: Wo Menschen im Glauben zusammenkommen, sich auf Gottes Geist einlassen, ganz gleich aus welchem kulturellen Hintergrund sie kommen, ganz gleich, welche Sprache sie sprechen, welche Hautfarbe sie haben, ob sie reich sind oder arm, ob sie gebildet, gut ausgebildet, ungebildet oder eingebildet sind, ob sie hübsch oder hässlich, groß oder klein, jung oder alt, Mann oder Frau sind: wenn wir auf Gottes Wort hören, dann geschieht das Wunder der Verständigung. Wenn wir auf Gott hören, lernen wir aufeinander zu hören. So einfach ist das – und doch oft so schwer! Wir brauchen den Heiligen Geist. Doch das Wunder geschieht – auch heute noch. Im Text ist davon die Rede, dass an Pfingsten Juden und Araber zusammenkamen. Ist das heute nicht völlig utopisch? Nein, wo der frische Wind des Heiligen Geistes weht, geschieht auch da Verständigung. Ich war tief bewegt von dem Zeugnis der Lebensgeschichte des Mosab Hassan Yousef: Ein ehemaliger Terrorist, Sohn eines der Hamas-Gründer. Und dieser Mann ist zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Durch das Lesen der Bergpredigt. „Liebet eure Feinde!“ hat Jesus gesagt. Und das packte ihn. Er spürte in sich den Wind der Veränderung und dann auch den Wind der Verständigung. Und nachdem er zum Glauben gekommen war, konnte er im Interview sagen: Ja, die Juden sind das auserwählte Volk Gottes. Und er sagte: „Wenn ich – Sohn der Hamas, einer Terrororganisation, die sich der Vernichtung Israels verschrieben hat, an einen Punkt kommen konnte, an dem ich die Juden nicht nur lieben lernte, sondern sogar mein Leben für sie riskierte – dann besteht Hoffnung.“ Doch sehen wir die Völkerverständigung nicht nur weit weg, im Nahostkonflikt. Sondern es gibt auch hier bei uns zwei Völker, die es auch manchmal sehr schwer miteinander haben: Mann und Frau zum Beispiel. Ist da nicht auch manchmal Krieg? In mancher Ehe sieht man den andern manchmal eher als Terrorist. Doch auch da kann der frische Wind der Verständigung wehen. Und fangen wir an mit der Völkerverständigung in unserem Leben. Doch lernen wir aus der Pfingstgeschichte: Das geht nicht einfach mit guten Vorsätzen, so: Jetzt nehmen wir uns mal vor, aufeinander zu hören. Dann scheitern wir. Sondern: Indem wir auf Gott hören, lernen wir aufeinander zu hören. „Wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.“
Und was für die Völkerverständigung zwischen Mann und Frau gilt, gilt auch für die zwischen Jung und Alt. Petrus weist in seiner Pfingstpredigt hierauf besonders hin, dass Gottes Geist auch Jung und Alt verbindet. Und so vieles mehr…
3) Ein frischer Wind, der Energie gibt
Wind ist die wichtigste erneuerbare Energiequelle in unserm Land, noch vor Wasserkraft und Solarenergie. Sehen wir doch auch den Geist Gottes als Energiequelle – und zwar, das ist wichtig, als erneuerbare Energie! Diese Energie zapft man nicht an wie eine Batterie und irgendwann ist sie verbraucht und leer. Ich glaube, manche Christen leben ihren Glauben so. Irgendwann hat man zum Glauben gefunden. Und von dieser Erinnerung zehrt man noch bis heute, aber man spürt, wie die Energie des Glaubens immer mehr abnimmt, immer mehr zurückgeht. Es kommt nichts Neues nach. Sind wir Batterie-Christen? Oder sind wir mit einer Energiequelle verbunden, die ständig erneuert wird, wie die Windkraftenergie? Das bedeutet, sind wir mit Gottes Geist verbunden –und wie sieht das praktisch aus? Nun, das sind die vier „G“s, die wir gerade in den Zurüstungsabenden von Alpha-Ekk, Gemeindetreff und Bibelkreis besprechen: Gemeinschaft, Gebet, Gottes Wort und Gehorsam. Das ist unser Verbindungsdraht zum Geist Gottes. So bleibt der Glaube frisch. Und was für eine Energie und Kraft dieser Wind des Geistes Gottes haben kann. Auch darauf passt das Lied der Scorpions gut, ohne dass sie wohl daran gedacht haben.
Der Wind der Veränderung
bläst direkt ins Angesicht der Zeit,
wie ein Sturm, der die Glocke der Freiheit läuten wird.
Wie ein unaufhaltsamer Sturm ist Gottes Geist, der die Glocke der Freiheit zum Läuten bringt, also der uns frei macht durcxh den Glauben an Jesus Christus. Petrus führt diese Freiheit in seiner Predigt aus: frei von Sünde und Selbstsucht.
Dazu braucht es schon eine ganz schön kräftige Energie. Und ich denke an eine Frau, die über Jahre hinweg ihren schwerkranken, bettlägerigen Ehemann pflegt und versorgt. Und als sie gefragt wird: Woher nehmen Sie nur die Kraft, die Energie dafür, da zeigt sie nur stumm nach oben.
Pfingsten heißt: Frischer Wind, der Veränderung schafft, Verständigung bringt und neue Energie gibt.
Amen.
1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an "einem" Ort beieinander.
2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen,
4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.
7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa?
8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache?
9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien,
10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom,
11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.
12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?
13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.
14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen!
15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage;
16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):
17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;
18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.