Unter Gottes Schirm

Gottesdienst am Sonntag, 27. Juni 2010

Thema: Unter Gottes Schirm

Text: Psalm 91

Mit Taufe von Lia Emelie Rust

Predigt: Pastor Gero Cochlovius

 

Gut, dass wir ihn heute nicht brauchen, liebe Gemeinde, einen Regenschirm. Heute wäre eher ein Sonnenschirm zu empfehlen.

Und doch: Gut, dass es diese Erfindung gibt.

Die erste schriftliche Erwähnung eines Regenschirms stammt aus dem Jahr 802. Damals schickte der Abt Alcuin von Tours dem Bischof Arno von Salzburg einen solchen mit den Worten "Ich sandte dir ein Schutzdach, damit es von deinem verehrungswürdigen Haupte den Regen abhalte."

„Schutzdach“ wird es genannt. Schirm kommt ja vom althochdeutschen „scirm“ und das heißt „Schutz“. Unter Gottes Schirm heißt unter Gottes Schutz. Was bedeutet das für unser Leben? Was bedeutet das für Lia Emelie? Der Psalm 91, aus dem auch Lias Taufspruch gewählt ist, gibt uns einige gute Impulse. Drei Gedanken dazu, was es heißt: Unter Gottes Schirm zu sein: Geborgen – Gerettet – Getragen

 

1) Geborgen

1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,
2 der spricht zu dem HERRN:
Meine Zuversicht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich hoffe.

Woran liegt es, dass sich Kinder so gerne Höhlen bauen? Unsere Mädchen sind geradezu Höhlenbauweltmeister. Aus jeder herumliegenden Decke, aus jedem Zweig, Tisch, Stühlen, Sesseln, Polstern, Kartons – aus allem werden Höhlen gebaut. Ich glaube, darin spiegelt sich das menschliche Grundbedürfnis nach Geborgenheit wieder. Ist es diese Grunderfahrung der Geborgenheit und Wärme eines Embryos in der schützenden Höhle des Mutterleibs? Das hebräische Wort, das Luther mit „Schirm“ übersetzt, heißt auch: Versteck, Höhle, Schutz.

„Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt“ – das drückt diese Geborgenheit aus. Inmitten der Ungeborgenheit unserer Welt, in der allzu oft der scharfe Wind des Egoismus weht, in der allzu oft die harten Ellenbogen der Macht wehtun, in der allzu oft die kalte Währung des Geldes mehr zählt als der Reichtum der Liebe, da gibt es einen Ort der Geborgenheit: ganz dicht am Herzen Gottes! So wie ein Kind bei der Mutter geborgen ist, so will Gott uns wie Vater und Mutter sein und uns Schutz geben. Und wie heißt es: Unter dem Schirm des „Höchsten“. Gott. Oder wie es im nächsten Satz heißt: Unter dem Schatten des Allmächtigen. Es gibt also eine Geborgenheit, einen Schutz, der höher ist als alles, was selbst Elternliebe zu geben vermag. Wir können unsere Kinder im letzten immer nur ein Stück weit schützen. Und alles irdische Leben ist zerbrechlich, verletzbar. Aber die Geborgenheit bei Gott ist unzerstörbar. Selbst durch den Tod nicht. Warum? Weil er ja der Höchste ist! Und das bedeutet: Keine Gefahr, keine Sorge, keine Angst und noch nicht einmal der Tod ist größer, ist höher als Gott, der Höchste. Nichts ist über ihm. Das erklärt nicht, warum eben dennoch Schlimmes in unserer Welt und in unserem Leben passieren kann. Aber es gibt eine Geborgenheit trotz allem Bösen. Zu wissen: Was immer auch geschieht - letztlich bin ich immer noch unter dem Schirm des Höchsten, in Zeit und Ewigkeit. Doch wie finde ich diese Geborgenheit? Nun es heißt ganz einfach: Wer unter dem Schirm des Höchsten „sitzt“. Eine schöne bildhafte Beschreibung für den Glauben. Man setzt sich hin. Das heißt, man bleibt bei ihm. Man kommt zur Ruhe. Wir können auch übersetzen: Wer unter dem Schirm des Höchsten bleibt oder noch besser: wohnt! Es geht also darum, bei Gott zu bleiben. Wer nur in besonderen Augenblicken des Lebens sich zu Gott flüchten will, etwa in einer besonderen Notlage, oder mal zu besonderen Anlässen - zu einem Gottesdienst am Sonntagmorgen, und dann sozusagen mal kurz bei Gott vorbeischaut, um dann wieder die eigenen Wege zu gehen, der wird niemals die Geborgenheit des Glaubens wirklich erleben. Glaube ist eine feste, dauerhafte Beziehung. Ein Bei-Gott-Wohnen. Sich niederlassen bei Gott, sich setzen, zur Ruhe kommen. Den Alltag mit Gott teilen. Wer unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt. Lass dich ein auf diese feste, dauerhafte Beziehung mit Gott, die auch bleibt an deinem Arbeitsplatz, in deiner Familie, in deiner Freizeit! Das ist Glaube.

Unter Gottes Schirm – das bedeutet geborgen. Und

 

2) Gerettet

3 Denn er errettet dich vom Strick des Jägers
und von der verderblichen Pest.
4 Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
5 dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht.

Unter Gottes Schirm sein, das schenkt nicht nur Geborgenheit. Sondern auch Rettung. Nun fragt man sich: Wovor müssen wir den gerettet werden? In den letzten Wochen taucht ein Begriff ja immer wieder in den Medien auf: Rettungsschirm! Da konnte man die Schlagzeile lesen: „Beispielloser Rettungsschirm: 750 Milliarden zum Schutz des Euro“. Das also soll der EU-Rettungsschirm sein. Wenn ein Land nicht aus eigener Kraft aus seiner Verschuldung kommt, da wollen die andern ihm aus der Patsche helfen. Inwieweit das ganze sinnvoll ist, möchte ich hier nicht diskutieren. Aber es ist ein schöner Vergleich für den Rettungsschirm Gottes für uns. Denn Verschuldung kennen wir auch in unserem Leben. Ich meine jetzt nicht das Materielle. Da kann man ja auch mal pleite sein. Sondern ich meine die Verschuldung durch unsere Fehler und Schuld, durch Versagen und Versäumnisse. Die Bibel sagt dazu Sünde. Und aus eigener Kraft kommen wir da nicht raus. Da muss jemand andres seinen Rettungsschirm ausspannen und uns daraus helfen. Das macht Gott. Und seine Währung ist die härteste, die es gibt, sein Einsatz ist der teuerste. Es ist das Blut Jesus Christi, das er für uns vergossen hat, als er für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist. Er tritt ein für unsere Miesen. Er vergibt uns. Der Psalm benutzt dafür sehr starke Bilder: Er errettet dich vom dem Strick des Jägers und von der verderblichen Pest. Ich denke der Strick des Jägers, das sind die Fallen, die uns der Teufel stellt. Versuchungen und Verführungen, denen wir manches Mal zu erliegen drohen. Aber wenn wir unter dem Schutzschirm Gottes bleiben, werden wir errettet. Und noch ein Bild für die Rettung:

4 Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.

Vor einigen Jahren veröffentlichte die amerikanische Naturzeitschrift »National Geographic« einen Bericht über eine Gruppe von Rangern, die sich nach einem Waldbrand im Yellowstone Park einen verbrannten Bergpfad hochkämpften, um sich einen Überblick über den verursachten Schaden zu verschaffen. Während des Aufstiegs fand einer der Parkwächter einen verbrannten kleinen Vogel neben den Überresten eines Baumes. Ohne etwas zu ahnen nahm er einen Stock und drehte den Vogel um. Im gleichen Augenblick huschten drei winzige Küken unter den Flügeln hervor. Im Bewusstsein der drohenden Gefahr hatte die Mutter ihre Kleinen offensichtlich zum Baum getrieben und unter ihren Flügeln verborgen. Sie hätte sich selbst vor dem Eintreffen der Feuersbrunst in Sicherheit bringen können, wollte aber ihre Kinder nicht im Stich zu lassen. Als sich die Flammen heran wälzten, boten ihre Flügel den drei Küken einen sicheren Überlebensraum. Sie war bereit zu sterben, damit die, die bei ihr Schutz gesucht hatten, leben konnten. So hat auch Jesus Christus sein Leben gelassen, damit alle gerettet werden, das heißt das ewige Leben bekommen, die sich zu ihm flüchten, die an ihn glauben. Die Bibel verwendet an verschiedenen Stellen das Bild der rettenden Flügel Gottes. und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.

 

3) Getragen

Unter Gottes Schirm… Es gibt einen großen Unterschied zu diesem Regenschirm hier: Unsere Schirme müssen wir in der Regel tragen. Bei Gott werden wir getragen. Und da kommt nun der Taufspruch ins Spiel:

11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
12 dass sie dich auf den Händen tragen.

Gott möchte uns tragen. Dazu schickt er seine Boten aus. Engel werden sie hier genannt. Engel sind Boten Gottes. Und so können auch Menschen zu Engeln werden, die uns helfen und tragen. Das ist der Wunsch für Lia. Dass sie immer Menschen finden möge, die offen für sie sind, die für sie da sind, die für sie zum Engel werden, indem sie die Liebe Gottes an sie weitergeben und sie dadurch tragen. In diesem Sinne können Sie als Eltern, Sie als Paten und auch ihr als Geschwister auch Engel sein.

Aber Gottes Möglichkeiten übersteigen unser Verstehen. So glaube ich auch ganz fest, dass Gottes Engel auch da wirken und uns begleiten, insbesondere Kinder, wo wir keine menschliche Hilfe da ist. Und das gilt auch für uns Erwachsene. Auch da, wo wir keinen Ausweg sehen, ist Gottes Hilfe da, wird er uns tragen. Das, was sich bekümmert, was dir Sorgen macht, weiß er längst. Wenn du unter Gottes Schirm bist, bist du geborgen, gerettet und getragen.

Amen.