Wer wird Gottes Minister

Festgottesdienst am Sonntag, 31. Januar 2010
Zur Verabschiedung von Pfarrsekretärin Renate Gümmer
Thema: „Wer wird Gottes Minister?“
Text: 1. Petrus 4,18
 
Predigt: Pastor Gero Cochlovius
 
Liebe Gemeinde, liebe Frau Gümmer!
Die Aufgaben einer Pfarrsekretärin sind ja außerordentlich vielfältig. Zum Glück gehörte bei Ihnen nicht solch ein Botengang dazu, wie er in einer Kirchenzeitung mal in einer netten Karikatur dargestellt war: Der Pastor liegt da im Krankenhaus, übelst zugerichtet, überall Verbände. Seine Pfarrsekretärin kommt herein, wedelt freudestrahlend ein Kirchenvorstands-Protokoll in der Hand: „Herr Pastor, Herr Pastor, eine gute Nachricht! Der Kirchenvorstand hat in seiner gestrigen Sitzung mit 7:6 Stimmen beschlossen, für Ihre Genesung zu beten.“
Aber wie viel anderes gehörte zu Ihren Aufgaben! Heute möchte ich Ihnen die etwas überraschende Mitteilung machen: Sie sind zur Ministerin befördert worden. Na, Sie gucken ein wenig verblüfft. Manch einer denkt sich: Ist doch klar, ihr Mann, Horst Gümmer, der hat sie ja schon immer so toll unterstützt, der sitzt ja in der Politik und hat ’nen heißen Draht zu Frau Merkel. Da war das ja irgendwann fällig. Und das „Ministerium für kirchengemeindliche Angelegenheiten“ fehlte ohnehin bisher noch.
Doch überraschender ist es noch, dass wir alle zu Ministern und Ministerinnen berufen sind – allerdings nicht von der Bundeskanzlerin. Mit dieser Ebene geben wir uns doch gar nicht ab, ein paar Ebenen höher: Gott selbst hat uns zu Ministern berufen. So möchte ich dieser Predigt auch unter die Überschrift stellen: Wer wird Gottes Minister?
Was bedeutet das? Es ist zwar aus der Politik oft nicht abzuleiten, aber das Wort „Minister“ heißt ursprünglich schlicht und einfach: Diener. Wer Gott und seinem Reich dient, ist Gottes Minister. Hören wir dazu den Predigttext, den ich für den heutigen Sonntag ausgewählt habe: 1. Petrus 4,10:
 
10 Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.
 
Eigentlich wollte ich den ganzen Abschnitt von Vers 7-10 nehmen. Aber Christiane meinte dann, der Beginn des Abschnittes würde vielleicht doch etwas zu dramatisch klingen angesichts des Aufhörens von Frau Gümmer. Da heißt es nämlich in V. 7: „Es ist aber nahe herbeigekommen das Ende aller Dinge.“
Also beschränke ich mich auf V. 10. Ein wunderbarer Vers für den Dienst in der Gemeinde – ganz gleich, ob hauptamtlich, ob angestellt, ob ehrenamtlich. Ganz gleich ob als Pfarrsekretärin, ob als Kirchenchorleiterin, Sänger, Bläser, was auch immer. Ja, jeder Christ ist hier gemeint, ein Minister Gottes, ein Diener, eine Dienerin Gottes zu sein.
Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes
Wie könnten wir uns diesem großartigen Auftrag mal ein wenig systematisch nähern? Vielleicht hilft das Bild eines großen Büroschranks mit mehreren Fächern darin. Sie waren ja von uns beiden immer der Garant für die Ordnung im Pfarrbüro. (Es wirkte ja fast schon wie ein drohendes Vorzeichen für die Zeit nach Ihrem Weggang, dass ausgerechnet an Ihrem letzten Arbeitstag am Freitag der ganze schön geordnete Büroschrank in sich zusammenkrachte. Na ja gut, dass es schon ein patente, ordnungsliebende Nachfolgerin gibt.) Also wollen wir mal den Vers sortieren in ein paar Schrankfächer. Das erste Fach ist überschrieben:
 
1) „Dient einander!“
Dient einander! So heißt es. Also wir sind Diener Gottes, wenn wir einander dienen. Das ist Gottesdienst! Nicht nur sonntagmorgens hier zusammenkommen, sondern am Montag dem anderen, dem Mitmenschen, dem Bruder, der Schwester dienen, den anderen wahrnehmen, seine Nöte sehen, ganz praktisch helfen, wo Hilfe gebraucht wird.
Das zweite Schrankfach lautet ist beschriftet mit:
 
2) „Seid gute Haushalter!“
Das ist enorm, denn wir sind für den Haushalt zuständig. In einer Regierung ist das das wichtige Ressort des Finanzministers. Wir müssen sehen, was da ist zum Verteilen. Und Petrus sagt: Ja, es ist eine Menge da zum Verteilen – anders als im Bundeshaushalt, und leider auch anders als im Haushaltsplan der Martins-Gemeinde ist Gottes Haushalt unerschöpflich. Was nämlich gibt es zu verteilen?
Das finden wir im 3. Schrankfach
 
3) „Die mancherlei Gnade Gottes“
Auf Deutsch: Die Gnade Gottes, die sich auf vielfältige Weise zeigt. Das sollen wir als seine Diener weitergeben, verteilen, nicht für uns behalten. Dazu gehört die Gnade des Evangeliums: Glaube an den Herrn Jesus Christus, und du gehst nicht verloren, sondern bist gerettet für Zeit und Ewigkeit. Dazu gehört die Gnade der Vergebung: Was immer schief gelaufen ist in deinem Leben, in Beziehungen zu anderen, zu Eltern, zu Kindern, zum Partner oder auch in der Beziehung zu Gott, es gibt Vergebung. Dafür ist Jesus ja gekommen als Heiland, um uns innerlich heil zu machen.
Die Gnade der Hoffnung: Dass wir wissen dürfen: Als Kinder Gottes brauchen wir vor dem Tod keine Angst zu haben. Es gibt ein Leben nach diesem Leben. Es gibt ewige Gemeinschaft mit Gott, wir sind nicht der Leere, der Vergänglichkeit, der Sinnlosigkeit ausgeliefert!
Die Gnade des Gebets: Wir sind nicht allein mit unseren Sorgen und Alltagsfragen. Jesus ist da, und wir können uns im Gebet an ihn wenden. Das ist kein Selbstgespräch und kein Meditationsritual, sondern echte Beziehung, Kommunikation: Jesus ist da, hört uns, hilft uns. Eine kleine Auswahl der mancherlei  Gnadengeschenke Gottes, die wir weitergeben können, verteilen dürfen. Eine ganze Lebenseinstellung kann das sein: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.
Doch nun bleibt die Frage: Wie können wir unser Ministerium führen, wie können wir Diener Gottes sein? Wir finden die Antwort im 4. Schrankfach:
 
4) „Von Gott begabt“
Petrus gibt eine klare Antwort: Ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.
Da steckt ne Menge drin: Zum einen heißt es: empfangen hat. Also keiner braucht sich etwa einzubilden, wenn er etwas gut kann. Es ist alles Geschenk! Aber das ist ja auch ein großer Trost: Wenn Gott uns in eine Aufgabe beruft, gibt er auch Gaben dazu. Zum andern steht hier: jeder hat etwas empfangen! Keiner ist unbegabt oder zu ungeschickt für Gott. Gott kann jeden gebrauchen. Es ist nur wichtig zu erkennen, wie er uns gebrauchen möchte, welche Gabe er uns gibt. Manfred Siebald hat es einmal so gedichtet:
 
1. Hast du schon in trüben Stunden
Mitleid mit dir selbst gehabt?
Hast du auch schon oft gefunden,
du seist unbegabt?
Irgendeinen Platz hat Gott, an dem will er dich haben,
irgendetwas kann kein andrer Mensch wie du.
Irgendwo wirst du von ihm gebraucht mit deinen Gaben,
und wenn du ihn fragst, dann weist er dir die Arbeit zu.
2. Kannst du trösten und beraten,
hören, wenn ein andrer klagt?
Oft will Gott nicht große Taten,
Liebe ist gefragt.
3. Willst du das mit andern teilen,
was dir Gott gegeben hat?
Willst du reden, helfen, heilen,
so wie er es tat?
Irgendeinen Platz hat Gott, an dem will er dich haben,
irgendetwas kann kein andrer Mensch wie du.
Irgendwo wirst du von ihm gebraucht mit deinen Gaben,
und wenn du ihn fragst, dann weist er dir die Arbeit zu.
Ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.
Was könnten das für Gaben sein? Petrus nennt hier die Verkündigung des Wortes Gottes, und auch das soziale, diakonische Dienen. Aber im Gesamtzusammenhang der Bibel da ganz viel zu diesen Gaben. Und ich glaube, dass jeder nicht nur eine, sondern ganz viele davon hat.
Die finden sich im 5. Schrankfach, beschriftet mit
 
5) „Eine kleine Gabenkunde“
Da sieht man einen großen Stapel Akten. Eine wunderbar sortierte Registratur. Alles schön beschriftet. Voll mit Gaben.
Ich möchte einfach stellvertretend mal einige rausnehmen, die in der Bibel sehr wichtig sind und die ich auch bei Frau Gümmer wahrgenommen habe.
Hier eine Akte, die hat den Vermerk:
Aktenzeichen „E“ – wie Einsatz
Das ist schon auffällig: Die Menschen der Bibel, die für Gottes Reich arbeiten, sei es ein Paulus, ein Petrus, ein Mose, eine Maria…, tun dies gerne und mit ganzem Einsatz. Nicht ohne Fehler, ohne Durststrecken, ohne Zweifel. Das nicht, aber sie tun es gern und mit ganzem Einsatz, nicht halbherzig. Und das konnte man immer wahrnehmen: Mit viel Einsatz und Engagement waren Sie dabei. Über die Dienstzeit hinaus mit so viel ehrenamtlichem Einsatz und mit großer Freude und steter guter Laune!
Aktenzeichen „G“ – wie Geduld
Das ist im Pfarrbüro etwas Unersetzbares. Was für Kuriose Anfragen und Dinge da passieren können. Nur mal ein Beispiel aus einem anderen Ort: Zwei Schwestern kommen ins Pfarrbüro und sagten: „Wir möchten gerne eine Goldene Hochzeit für unsere Eltern“. - „Ja“, sagte die Pfarrsekretärin etwas fragend. „Wissen Sie, unsere Eltern hatten damals kein Geld für ein großes Fest und haben deswegen nicht kirchlich geheiratet. Aber jetzt könnte man die kirchliche Trauung doch nachholen oder?“ Die Pfarrsekretärin nickt. „Ja, da bräuchten wir dann eben einen Termin ihrer Eltern mit dem Pastor für ein Traugespräch. Da sagte die Tochter vollkommen entsetzt: „Bloß nicht, es soll doch eine Überraschung für sie sein!“
Da braucht man manchmal viel Geduld. Sie besitzen diese Gabe. Im Übrigen möchte ich Ihnen auch persönlich danken für alle Geduld, die Sie auch mit mir hatten!
Aktenzeichen „M“ – wie Mitgefühl
Auch dies eine wichtige Gabe in der Gemeinde. Da haben wir erst vor zwei Wochen drüber gesprochen. Paulus sagt das so: „Freut euch mit den Fröhlichen –und weint mit den Weinenden“. Beides kann man im Pfarrbüro erleben. Der eine kommt voller Freude und will eine Taufe anmelden, und minutenspäter klingelt das Telefon und ein schlimmer Trauerfall wird gemeldet. Die Gabe des Mitgefühls.
Aktenzeichen „R“ – wie Ruhe
Die Ruhe bewahren. Bei allem Fleiß, bei allem Einsatz, bei allem Chaos, bei der Hektik des Tages. Eine tiefe Sehnsucht vieler Menschen. Gerade in der Unruhe und Unrast unserer Zeit. Echte, tiefe Ruhe, Frieden, kann nur Gott uns schenken. Eng verwandt damit ist:
Aktenzeichen „Ü“ – wie Überblick
Den Überblick behalten im Gewusel des Tagesgeschäftes. Eine wertvolle Gabe. Das konnten Sie. Schnell umschalten.
Aktenzeichen „M“ – wie Mut
Ja, auch Mut ist eine Gabe Gottes. Übrigens: Es braucht auch Mut zum Dienen. Dien-mut, daher kommt das Wörtchen Demut. Beides ist eine große Gabe: Demut und Mut.
Mancher Anruf im Pfarrbüro ist auch unangenehm. Manche große Gemeinde-Veranstaltung liegt da vor einem wie ein großer Berg, eine Zeltmission, ein Weihnachtsmarkt… Sie haben mit viel Mut die Dinge angepackt. Gott spricht uns genauso wie einst Josua Mut zu, als der vor einer schwierigen Aufgabe war, und das wünschen wir auch Ihnen, Frau Barthels und Frau Engelke, und Ihnen, Frau Gümmer, für den neuen Lebensabschnitt: „Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt!“ – Oder wie es die Jahreslosung sagt: Jesus spricht: Euer Herz erschrecke nicht, glaubt an Gott und glaubt an mich.
Amen.
 
G         Geduld
Ü         Übersicht
M        Mut
M        Mitgefühl
E          Einsatz
R          Ruhe